Freitag, 16. November 2012

Kapstadt

Nach einer unruhigen Nacht, bedingt durch Schwell aus Südwest, rollt das Schiff bis zu 15° und im Bett rollt man mit.

Wir haben das Rennen um den begehrten Liegeplatz gewonnen. Um 12:00 fest im inneren Hafenbecken, sehr nah an der Waterfront, dem Einkaufszentrum mit vielen Restaurants, direkt am Hafen.

Herrliches Wetter und den Blick auf den Tafelberg.

Der Lotse kommt an Bord.



Es gibt neue Regularien bei der Einreise in Südafrika. Keiner in der Einwanderungsbehörde kann damit umgehen.
Um an Land gehen zu dürfen, bedarf es einen Einreisestempel. Bei der Rückkehr den Ausreisestempel.
Der Reedereiagent kennt Hermann bei der Behörde, so bekomme ich eine Aufenthaltsgenehmigung für 3 Monate und  habe auch in den anderen Häfen keine Probleme.
Jedoch am Ausgang am Hafen fragt niemand nach Paß oder Stempel.
Endlich um 16:00 sind wir an der Waterfront. Geld aus dem Automaten ziehen und dann ein kühles Blondes.

Neben uns liegt die MV Wine Trader, von Tanklastern wird der Wein in die Behälter gepumpt.




Hier gehen die beiden Schweizer Passagiere, Merci und Markus von Bord.

Den Abschiedsdrink nehmen wir in der im Hafen liegenden Seemannsmission.



Mittwoch 14. November 2012. Auf See

Wieder stürmisch und kühl. Bei der bisherigen Geschwindigkeit von 10 kn (Spritsparmodus) erreichen wir Kapstadt am Donnertag abend.
Heute morgen erhält der Capt eine Mail vom Agenten aus  Kapstadt.

 „Sofortige Abfertigung, wenn das Schiff morgen um 11:00 den Hafen erreicht“
Kommen wir später, wird ein anderes Schiff abgefertigt, daß auch auf dem Weg nach Kapstadt ist. Das Rennen beginnt.
Der Capt erhöht die Geschwindigkeit auf über 15 kn.

Um die Mittagszeit sind wir südwestlich der Grenze zwischen Namibia und der Republik Südafrika im Abstand von 45 Nm von der Küste.
Vor der Küste werden Diamanten gesucht.

Dienstag, den 13. November 2012, auf See

Um 01:30 verlassen wir Walfischbay, Kurs Süd, Richtung Kapstadt.
Das Wetter ist ungemütlich auf See, teilweise stürmischer Wind aus Süd. Die Mittagstemperatur liegt bei 19°C, Wassertemperatur bei 10°C. Erheblich höher sind die Temperaturen im Landesinneren, es bildet sich Nebel.


Montag, der 12. November 2012, Walfischbay

Nach dem Terminplan haben wir 24 h Verspätung. Wir sind in Afrika, keine Gantries, nur Mobilkrane.
Die Fahrzeuge sind entladen, die Flats(Untergestelle) gehen weiter nach Südafrika. Starker Wind behindert das Laden. Es dauert manchmal bis zu 20 min das Flat in die Führungen einzustellen.

Also Ausgang in die Stadt.
Es gibt eine deutschsprachige Zeitung, Neuigkeiten aus Namibia und der Welt, auch die Bundesliga.



Beim Rundgang durch den Hafen fällt mir die Piratensicherung der E.R. Copenhagen, Heimathafen Hamburg, auf, wahrscheinliches Fahrtgebiet ist Westafrika.



ETD, (ungefähre Abfahrtzeit) 24:00; nochmals Zeit für einen  Besuch in der Seemannsmission. Ein Gast, den wir auch gestern gesehen haben, begrüßt uns als Jojo. (schon wieder da)
Ich komme mit ihm ins Gespräch, er ist Däne, Kapitän, ist 54, sieht aus wie 70. Er hat eine Wohnung in Walfischbay, liebt Namibia und geht erst im Januar 2013  auf sein Schiff zurück, ein Kleines, für Flußfahrt geeignet, Kongo, Amazonas, usw.
Um 20:00 lädt er uns ein, für einen Drink in seine Wohnung, wir lehnen ab, Ausgang bis 22:00.
Wir sind um 21:00 an Bord.
Heute abend plagt mich der Hunger, kein Problem, es gibt den Nachtkühlschrank, ich finde Brötchen und verschiedene Sorten Wurst und Käse, meine Wahl, Brötchen mit Leberwurst.

Sonntag, den 11. November 2012. Walfischbay

Nach 18 h Ankern ist einer von zwei Liegeplätze frei für die GREY FOX. Morgens um 04:00 fest.

Hafenstadt an der Walfischbucht, Namibia, 50 000 Einwohner, bedeutender Tiefwasserhafen, Fischfang- und Verarbeitung. Endpunkt der Eisenbahnlinie.
Diese Fang- und Fischfabriken zur See entladen gefrorene Makrelen und Fischmehl.

Für den Landgang ist es ein Glücksfall, morgens anzukommen. Also machen wir 3 Passagiere uns nach dem Frühstück auf in die Stadt, 15 min zu Fuß.
Es sind einige Geschäfte offen aber fast alle Restaurants und Cafés geschlossen.

Bedingt durch den geringen Autoverkehr am Sonntag, werden  Striche gepinselt, zur Ausrichtung dienen 2 Schnüre.


Aber es gibt Swakopmund, etwa 30 km nördlich, bis 1914 Haupthafen des deutschen  Schutzgebietes. Heute Seebad mit Brauerei und Wohnort für die Pendler der östlich gelegenen Uranmine,15 000 Einwohner.

Taxi fahren ist preiswert, innerhalb der Stadt 8 Namibia $, umgerechnet 0,8 € . Fahrten außerhalb der Stadt sind frei verhandelbar. Wir fragen einige Leute, um das Niveau zu erfahren, 35-40 N$ nach Swakopmund. Mit dem nächstbesten Taxifahrer werden wir uns einig, steigen ein und ab geht es durch die Wüste/Wüstenallee, entlang der Küste


Überrascht waren wir beim Bezahlen des Taxis, er verlangt 120 N$, 4o N$ ist der Preis/Person. Man lernt nie aus.

Swakopmund ist noch sehr deutsch geprägt.
 









Laufen macht durstig, es ist schließlich 11:11, Zeit für ein lokal Bier auf der Terrasse eines Lokals. Die sonne scheint und es ist 23°C warm.
Danach schlendern wir auf die alte Brücke, Baujahr 1905 und damals Anleger für die damalige Großschiffahrt.

Heute für Fußgänger mit einem exzellentem Restaurant. Die Terrasse ist sonnig und windgeschützt und Hunger haben wir auch.


Wir bestellen Sushi, Fischsuppe, eine kleine Fischplatte, Kingklip und ein Steak, dazu eine Flasche Nederburg, eines der besten Weine Südafrikas.



Die Bedienung hat es wohl versäumt, zu erwähnen,  an der kleinen Fischplatte werden normalerweise 3 Personen satt.

Das Kingklip Fischfilet auf Ratatouille kam gar nicht erst auf den Tisch, zusammen mit dem halben Steak von Merci haben wir uns es einpacken lassen, sollte dann unser Abendessen, aufgewärmt in der Mikrowelle, auf dem Schiff sein. Letztendlich haben das Essen an eine junge, hübsche Frau, die auf dem Schiff wache schiebt, verschenkt. Sie hat sich sichtlich gefreut.

Spaziergang durch den Park zum Leuchtturm




Kaffeepause im Café Anton


Die Rückfahrt mit dem Taxi, bzw. die Verhandlungen über den Preis sollten auch spannend werden.
Versuch Nr.: 1: 240 N$, alternativ 3 Personen a 8N$ zu einem Taxi Sammelplatz, von dem Taxen nach Walfischbay fahren, ok, gemacht.
Dort angekommen, bemühen sich sofort 3 Taxis um das Geschäft. Durch Zahlung von Ablöse untereinander, quälten wir 3 uns auf die Rückbank, ein Fahrgast saß vorn. Gesamtpreis ausgehandelt, 3x 30N$, ok.
In Walfischbay angekommen, verlangte er 120N$, Merci bleibt hart und zahlt 90N$.


Abschluß des Tages, der Besuch in der Seemannsmission, unmittelbar am Gate des Hafens.
Sinn und Zweck der Seemannsmissionen, Aushang in allen gängigen Sprachen der Welt.

Sehr gut eingerichtet mit Billard, Internet, Leseraum, Swimmingpool, Gastzimmer mit Bewirtung zu günstigen Preisen. Um 18:30 kommen wir an, es gerade Gottesdienst und während der Zeit wird kein Bier serviert, aber danach.

Wir trinken einige Biere und kehren um 21:00 zum Schiff zurück.




Land in Sicht, Walfischbay

Aber auch nicht, durch den dichten Nebel ist die Küste nur schemenhaft zu erkennen. Wüste mit Küstenstraße und ein paar Häuser


Heute morgen, 10.N0vember, um 09:00 fällt der Anker in der Bucht, 8 NM nördlich von dem Hafen. Alle beiden Liegeplätze sind besetzt, weil Voraussagen einfach nicht funktionieren.
MV Belgian Express hat sich verspätet, so daß  MV San Miguel erst heute Morgen um 03:00 eingelaufen ist.



Freitag, 9. November 2012, auf See, Mittagsort 20°S, 12°E

Das Wetter ist nicht das, von dem ich geträumt habe. Bis auf wenige Augenblicke die Sonne zu sehen, ist es bewölkt. Lufttemperatur 19°C; Wassertemperatur 14°C.

Für diese Gebiet wird eine uralte Seekarte der Britischen Admiralität verwendet, zwar laufend berichtigt, die Wassertiefe wird in Faden
(1 Faden=1,8m oder 6 Fuß)angegeben, die Höhen an Land in Fuß.

Der 1. Offizier, ein Birmane, hat die Wache von 16:00-20:00. Ich unterhalte mich gern mit ihm und erfahre einiges über seine Kultur. Er hat fast die ganze Erde befahren, war jedoch noch nie in den Nachbarstaaten Bangladesch, Laos und Vietnam.
Er geht in Durban, nach 6 Monaten Fahrt, von Bord. Sein Plan ist es, einige Monate bei seiner Familie zu verbringen. Birma ist ein armes Land, sein Monatsverdienst hier an Bord ist gut, daß er 8 Monate zu Hause davon leben kann, nicht in Saus und Braus, aber auch nicht in Armut.

Die Sonne im Zenit.

Heute am 8. November steht die Sonne im Zenit auf 16° Süd, den wird heute durchfahren.
Zu erkennen am Schatten des Mastes der Hecklaternen
Ab jetzt ist die Mittagssonne im Norden.


Markus schickt eine Flaschenpost auf die Reise, mit Anschrift des Senders und dem Versprechen 1000 SFR an den Finder zu zahlen.


Zur Mittagszeit kommt uns ein Schwesterschiff, die „Purple Beach“ aus Walfischbay entgegen. Es ist baugleich mit der Grey Fox. Auf dem Schiff fährt eine rein polnische Mannschaft. Es werden Neuigkeiten ausgetauscht,
z.B. Liegezeiten in den Häfen. In Maputo/Mocambique hat es 10 tage gelegen um Eisenerz zu laden, um die Verspätung aufzuholen, hat die Reederei beschlossen, die Geschwindigkeit auf 16 kn zu erhöhen.
In Walfischbay warten zur Zeit 3 Schiffe vor Anker auf Abfertigung.

Donnerstag ist Seemannssonntag, zum 15:00 Kaffee kam eine Marzipantorte von Coppenrath&Wiese auf den Tisch.


Mittwoch, 7. November 2012, auf See, südwestlich von Angola.

Seit Überquerung des Äquators ist es merklich kühler geworden, Luft- und Wassertemperaturen sind auf 20°C abgesunken, kein Badewetter.

Zum Einen ist es der Bengualastrom, der kaltes Wasser aus der Antarktis zum Äquator fließen läßt, andererseits ist der Himmel Wolken verhangen.

Die See ist seit Tagen sehr ruhig, wir gleiten dahin, wie auf Schienen. Am Abend zeigt sich die Sonne, die dann senkrecht hinter dem Horizont verschwindet. Die Dämmerung ist kurz, innerhalb einer halben Stunde ist es stockdunkel.



Wie ist die Aussicht von der Brücke

Gerade Sportbootfahrer fragen sich, „sieht er mich“
Ist das Schiff voll beladen sind es 288.27m bis zur Wasserlinie.



Alltag an Bord, 5. Nov. 12

Heute habe ich dem Elektriker auf die Finger geschaut, Austausch einer Platine  in der Ankerwinsch.


Auch der polnische Chief-Ing kommt zur Inspektion aufs Vorschiff. Er ist sehr nett und immer ansprechbar. Da mich die Schiffstechnik interessiert, frage ich ihn Löcher in den Bauch. Das Thema heute: Entlüftungssystem aller Tanks. Sei es Ballast-, Treibstoff- oder Schmieröltanks. Durch die Bewegungen des Schiffes und Temperaturänderungen ist die Entlüftung notwendig. Wird das Deck von schweren Brechern überspült, schwimmt die Plastikkugel auf und verschließt die Öffnung unter der Haube.
Dazu gehört auch das Heeling System. Wassertanks auf beiden Seiten der Doppelwand des Schiffes. Durch Umpumpen wird das Schiff völlig in der Waage gehalten, wichtig bei der Beladung von Containern.

15:00 Kaffee auf dem Poopdeck mit den Schweizer Passagieren.


Auch die Deckscrew ist fleißig, ein Abschnitt zwischen den Luken ist von Rost befreit und gepinselt


Heute Nacht wird die Uhr 1 Stunde vorgestellt, wir überschreiten den 0 Mederian nach Osten.

Der fliegende Fisch

Heute am Sonntag, 4. November, liegt ein fliegender Fisch an Deck, ca. 25cm lang. Für sein Überleben komme ich zu spät. Irgendwann in der Nacht hat sein Navigationssystem nicht funktioniert. In der hohen Bugwelle ist er zu hoch geflogen und hat die falsche Richtung eingeschlagen. Wäre er noch am Leben, hätte ich ihn in den Pool geworfen, um zu sehen, ob er fliegend ins Meer zurück findet.


Und wieder geht ein schöner Tag zu Ende, noch 6 Tage bis Walfischbay.


Überquerung des Äquators am Samstag, den 3. November, 2012

Um 10:52 UTC überqueren wir den Äquator in südlicher Richtung auf Kurs 139°, 400 NM südwestlich von Abidjan/Elfenbeinküste.
Äquatortaufe ist nicht üblich, denn fast alle Besatzungsmitglieder haben den Äquator schon mehrfach überquert. Sollte ein neuer dabei sein, kann es vorkommen, daß sie ihm den Kopf kahl scheren.



Am Abend steigt die  Party auf dem Achterdeck.

Üblich ist es, daß Offiziere und Passagiere Getränke spendieren. Auch der Kapitän hat ein Budget für Entertainment.
Verschiedene Sorten Fleisch, Salate und Knofibrot stehen bereit, jeder ist sein eigener Grillmeister.


Viel Gelegenheit mit den Mitgliedern der Mannschaft zu Reden. Über deren Arbeit hier an Bord und dem Leben zu Hause in Birma.


Bis spät in die Nacht wird musiziert, gesungen und gelacht.